Die Wasserkraftwerke, einst Kron­juwel helvetischer Ingenieurskunst, trudeln auf Swissair-Kurs. Und augenreibend fragt man sich: Wie ist es nur möglich, dass ein ökologisches Projekt, das unsere Energieversorgung vermeintlich noch sauberer machen sollte, den wohl umweltfreundlichsten aller Stromlieferanten kaputtmacht? Für einmal scheiden die Kernkraftwerke als Sündenböcke aus. Sie produzieren den Strom etwa zum selben Preis wie die Wasserkraftwerke. Sie sind keine Konkurrenz zum Wasser, sondern eine perfekte Ergänzung. Die AKW liefern rund um die Uhr die sogenannte ­Bandenergie; die flexiblen Pumpspeicherwerke decken die Spitzenlast. Es liegt auch nicht am derzeit billigen Öl oder Gas. Auch die fossilen Kraftwerke im Ausland liefern vor allem Bandenergie, auch sie rentieren zurzeit schlecht.
Das Übel ist in erster Linie nördlich des Rheins zu suchen. Deutschland hat allein im letzten Jahr die Solar- und Windanlagen mit 25 Milliarden Euro subventioniert, im laufenden Jahr dürften die Fördergelder auf gegen 30 Milliarden anwachsen. Die mit Zwangsabgaben gedopten Wind- und Solaranlagen nehmen mittlerweile einen beträchtlichen Einfluss auf den Markt. Mit verheerenden Folgen.

Die Krux liegt darin, dass Sonne und Wind den Strom selten liefern, wenn man ihn braucht, sondern eben nur, wenn es die Witterung will. Weil kein Verteiler den unberechenbaren und deshalb faktisch wertlosen Flatterstrom freiwillig kaufen würde, werden die Elektrizitätswerke zur Abnahme gezwungen. Solar- und Windstrom haben damit Priorität, alle anderen müssen sich nach deren Kapriolen ausrichten. Das ist gleich doppelt fatal.Zum einen sind die Kraftwerke, welche die Bandenergie liefern, schlecht ausgelastet. Sie müssen ihre Leistung dauernd verändern, was zu enormen Verlusten führt. Auch den Wasserkraftwerken, welche die Spitzen abdecken, geht, je nach Witterung, ein Teil des Marktes verloren. Zum andern lässt die Zwangseinspeisung die Marktpreise in den Keller sausen, wenn das Wetter die Solar- und Windstromproduktion in die Höhe treibt. So kam es, dass im letzten Jahr der in Deutschland produzierte ­Solar- und Windstrom einen Wert von lächerlichen zwei Milliarden Euro hatte. Ausgerechnet die alten Kohledreckschleudern sind die Einzigen, die bei diesem ökonomischen und ökologischen Irrwitz noch mithalten können.
Wie soll die Schweiz reagieren? Die Wasserkraft subventionieren? Den Markt gegen den deutschen Dumping-Strom abschotten? Die heimische Produktion ihrem Schicksal über­lassen und den Strom importieren? Energie­ministerin Leuthard laviert orientierungslos ­zwischen europäischem Freihandel und schweizerischer Preisinsel. Beides geht nicht.

Die Misere ist auch hausgemacht. Über die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) subventioniert auch die Schweiz die Produk­tion des marktschädlichen Flatterstroms Jahr für Jahr mit dreistelligen Millionenbeträgen. Dabei müsste man sich allerdings eingestehen, dass die Energiewende gescheitert ist, bevor sie richtig angefangen hat. Doch je länger wir zuwarten, desto bedrohlicher wird der Schaden.